Vorstellung - zur Geschichte des Seminars

Am 19.Mai 1973, einem Sonnabend, kamen zum erstenmal 26 junge Leute im Pfarrhaus in Königswalde zu einem Arbeitstreffen über „Frieden schaffen ohne Waffen – was spricht dafür?“ zusammen.
Das war die Geburtsstunde des Christlichen Friedensseminars Königswalde.
Ihr vorausgegangen sind viele Abende in der Jungen Gemeinde und intensive Wochenenden im nahegelegenen Rüstzeitenheim, die sich immer wieder mit Problemen des Wehrdienstes, der Wehrdienstverweigerung, christlicher Friedensarbeit und des gesellschaftlichen Engagements beschäftigten, solange bis eben daraus der Wunsch entstand, dies in seminaristischer Arbeit und mit Hilfe von qualifizierten Referenten fortzuführen.
Diese Treffen fanden von da an immer im Frühjahr und im Herbst im Pfarrhaus statt, unter dem Dach der Kirche und im Schutz des damaligen Gemeindepfarrers Klaus Albers, ohne dessen Hilfe diese Arbeit nie entstanden wäre.

Die Teilnehmerzahl stieg und die Seminare wurden im Mai 1979 in die Dorfkirche verlegt. Dort wurde nun auf beweglichem Gestühl und an Tischen gesessen, diskutiert, gegessen und Gottesdienst gefeiert. „Frieden muss man schmecken können“ war unser Motto.
Zu diesem Seminar wurde erstmals eine Ausstellung eröffnet und abends gab es von nun an vor der Schlussandacht immer einen musischen Ausklang: Liedermacher, Dichter, Schauspieler, Chöre, Bands; meistens missliebige oder mit Auftrittsverbot belegte Künstler fanden ein Podium und ein dankbares Publikum.
Seit diesem Maiseminar werden die Seminare bis heute von einem Vorbereitungskreis organisiert.
Außerdem gewann das Friedensseminar seitdem sowohl kirchlich als auch grenzüberschreitend an ökumenischer Weite. Katholische Christen arbeiteten verstärkt mit und setzten dabei ganz eigene Akzente und aus der bundesdeutschen und vor allem holländischen Friedensbewegung waren immer viele Gäste unter den Seminarteilnehmern.
Dass das den damaligen staatlichen Organen ein Dorn im Auge war, ist nunmehr offenkundig. Wir waren gut bewacht.

Die Inhalte der Seminare veränderten sich im Laufe der Jahre. Waren es zu Beginn vor allem Themen, die um Wehrdienst, Wehrdienstverweigerung, Möglichkeiten des Friedensdienstes kreisten, kamen doch zunehmend die Fragen der Umweltbelastung, und der Gerechtigkeit hinzu. Wie können wir die Gesellschaft, in der wir leben, verändern; menschlicher, wärmer, bunter, freier machen?
Es war immer „sozialemanzipatorische“ Arbeit, die in Königswalde geschah.
Und daran hat sich auch seit der Wende nichts geändert, obwohl die Teilnehmerzahl seitdem eindeutig zurückging (von 1989 siebenhundert bis heute 80-100).
Die Themen haben sich abermals verschoben. Es geht uns jetzt sehr viel mehr um soziale Fragen.
Die Motivation allerdings ist geblieben: Unser christlicher Glaube, der uns treibt, der uns hält und der uns hoffen lässt.
„Friedensseminar“ heißt übersetzt: Pflanzschule des Friedens. Das wollen wir: junge Pflanzen mitgeben. Sie einpflanzen muss schon jeder selbst. Dass sie wachsen
und gedeihen und Frucht tragen, liegt nicht in unserer Hand.

Wir glauben, dass „Wachstum und Gedeihen“ in Gottes Hand liegen und dafür sind wir ihm dankbar und wollen
ihm die Ehre geben – auch für die vielen Jahre seit jenem Sonnabend im Mai 1973. Als Zeichen dieser Dankbarkeit gegenüber Gott, aber auch gegenüber der Kirchgemeinde, die unsere Arbeit mitgetragen und so ermöglicht hat, wurde im Herbst 2006 eine Taubenplastik gespendet.

Text von Hansjörg Weigel

 

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