... zurück zur Archiv-Übersicht.


"Vor uns die Sintflut" - Das Frühjahresseminar 2007

  Unter "Impressionen" befinden sich einige Fotos zum Seminarwochenende.

Vor wenigen Wochen hat der zweite Teil des UN-Klimaberichts1 bestätigt, was in groben Zügen schon Jahrzehnte angenommen und befürchtet wurde. Unser verantwortungsloser Lebensstil heizt die Erde auf, führt damit zu komplexen Klimaveränderungen und schadet der Umwelt, uns und v.a .den Mitmenschen in ärmeren Gebieten der Erde.
Nachdem 1982 Prof. Erich Hoffmann in Königswalde fragte „Leben wir gegen das Leben?“, stand das Frühjahresseminar am 12./13. Mai 2007 unter dem Thema „Vor uns die Sintflut“.

Den Einstieg in die Problematik fanden wir vormittags mit einer Bibelarbeit. Das, obwohl die Heilige Schrift an sich eine globale Bedrohung der Schöpfung durch den Menschen nicht kennt - sie ist unter anderen Umständen entstanden und kann dennoch etwas beitragen. Pfarrer Michael Gehrke (Katholische Gemeinde Crimmitschau) bereitete dazu drei Gruppen vor:
 „Was haben die biblischen Propheten zum Klimawandel zu sagen?“ (Jesaja 24, 1-12)
 „Welchen Sinn hat die Sintflut?“ (Genesis 6-9)
 „Was erzählt uns die Schöpfung?“ (Psalm 104)

Nachmittags konnten wir mit einem exemplarischen „Ökologischen Fußabdruck“2 zeigen, wie viel Erde unser persönlicher, alltäglicher Lebensstil in Anspruch nimmt bzw. wie viele Planeten wir bräuchten, wenn alle so leben würden wie wir. Daran schloss der Referent Dr. Hermann E. Ott (Abteilung Klimapolitik am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) an, indem er das Verhältnis von Mensch zu Natur als ein vielfältig „verbrauchendes“ beschrieb.
Er griff auch den IPCC-Bericht auf und betonte, dass die darin prognostizierten Klimaveränder-ungen einen Minimalkonsens der beteiligten Wissenschaftler darstellen und dass dieser Bericht zusätzlich von Verharmlosungstendenzen großer Industrienationen geprägt ist. Aufbauend auf der nun unzweifelhaften Beeinflussung der Erdsysteme durch Menschen stellte der Referent drei Szenarien vor, wie v.a. die westlichen Industriestaaten auf die Erkenntnisse reagieren könnten.

In einer ersten Variante machen alle so weiter wie bisher, das „business as usual“. Durch gegenseitige Einforderung des ersten Schrittes beim Umdenken zwischen Industrienationen und Schwellen-/Entwicklungsländern entsteht ein Argumentationspatt. Diese Blockade führt zur fortschreitenden Übernutzung der Erde, was einen für die Menschheit insgesamt gefährlichen Weg darstellt. Ressourcenkriege und Nahrungsmittelknappheit verschärfen die ungleiche Güterverteilung zu Gunsten weniger, während die meisten Menschen unter äußerst geringer Lebensqualität zu leiden haben.
In einem zweiten „strukturkonservativen Szenario“ leben wir grundsätzlich weiter wie bisher. Hier erkennt jedoch die Wirtschaft prinzipiell die Problemlage und sucht Lösungen auf technologischer Ebene. Marktkonforme Lösungen (z.B. Atomenergie; „ clean cole saubere Kohle“-Bemühungen) erscheinen zunächst sinnvoll, schaffen aber neue Probleme (z.B. Atommüll-Endlagerung). Dieser immer noch gewinnorientierte Weg ist nicht zielführend.
Im dritten Szenario streben wir ökologisch und sozial gerechte Veränderungen an. Dieser radikale Weg erfordert sofortiges Handeln im globalen Maßstab und beinhaltet folgende drei Teilaspekte:
 Konsistenz - Wir passen uns in die Kreisläufe der Erde ein und bringen somit beispielsweise keine Abfälle mehr hervor.
 Effizienz – Die Ablösung von derzeitigen ineffizienten Technologien und Hinwendung zu völlig neuen. Das schließt auch die massive Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien ein.
 Suffizienz – Wir als Menschen verändern uns und verlassen den Weg des „immer mehr“.
 
 
Um die ökologisch und sozial gerecht Welt zu schaffen sei weiterhin notwendig, dass die Industriestaaten ihren (auch durch 150 Jahre Ressourcenausbeutung) erreichten Wohlstand teilen und dabei den sich entwickelnden Länder helfen, das fossile Zeitalter zu überspringen.
Herr Ott sah es als Voraussetzung an, „das Undenkbare zu denken“ und räumte hier auch der spirituellen Dimension einen erforderlichen Platz ein, da letztlich das „Verhältnis zu Natur und Mitmenschen“ für die Erhaltung von Leben und dessen Grundlagen erforderlich sei.

 

Was konkret zu tun wäre, wurde später in drei Gruppen diskutiert. Diese Schlussfolgerungen für die gesellschaftlich-politische, kirchliche und persönliche Ebene flossen in ein Positionspapier ein:
  „Die Königswalder Erklärung zum Klimawandel“.
 

 
Kulturell umrahmt wurde das Frühjahresseminar
von einer Fotoausstellung zum Thema "Die Träume der Grundschullehrer", gestaltet von Kerstin und Katharina Burkhardt. Außerdem führte die Theatergruppe „Die neuen Neun“ ihr Stück „Gott und die Welt“ auf.

 

 

---
1 siehe z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Sachstandsbericht_des_IPCC
2 Rechner sind beispielsweise unter http://www.latschlatsch.de
oder http://www.footprint.ch zu finden.

 

Impressum / Kontakt